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Heute geht es im Bundestag um Barrierefreiheit .

Seit 1994 gibt es im Grundgesetz Artikel 3 den Zusatz „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.
Die wurde als großer Erfolg für Inklusion angesehen.
Heute, 27 Jahre später, ist dieser Zusatz noch immer ein Erfolg für die Inklusion . Auf dem Papier!

2006 beschlossen, 2008, vor 12 Jahren, in Kraft getreten, die UN Behindertenrechtskonvention, UNBRK besagt, dass Barrierefreiheit und Inklusion ein Menschenrecht sind.

Heute, 2021, um 22:50 Uhr, entscheidet der Bundestag darüber, ob oder dass die Barrierefreiheit ab 2030 umgesetzt werden sollte.
2030!
Das ist in 9 Jahren, dann bin ich 50!
Ich werde aber heute schon von Bussen und Bahnen stehen gelassen, weil es keine Rampen gibt, keinen Rolliplatz, die Fahrer*Innen keine Zeit oder Lust haben die Rampe auszuklappen, weil gerade keine Hebebühne am Gleis ist, kein Personal da, um eine ggf. vorhandene Hebebühne zu bedienen.

Ich komme gar nicht erst zu einem Gleis, weil es keinen Fahrstuhl gibt, oder vorhandene Fahrstühle regelmäßig defekt sind, meist gern länger als eine Woche.
Bin ich auf ein Gleis gekommen, fährt der Zug spontan von einem anderen Gleis ab, gibt es keine Anzeigetafeln, Durchsagen verstehe ich nicht, ich bin hochgradig schwerhörig. Außerdem passiert das alles zu spontan, würde ich nicht schaffen.

Ich habe theoretisch freie Arztwahl. Praktisch stimmt das nicht. Denn in einer Großstadt wie meiner, sind nicht mal 20% der Arztpraxen barrierefrei zugänglich.
Krankenhäuser sind nicht barrierefrei.
Ich finde unterwegs kaum oder keine Toiletten, die ich benutzen kann, wenn ich mal muss.
In Cafés, Bars, Restaurants gibt es Toiletten meist im oberen oder unteren Stock, erreichbar über Treppen.
Unerreichbar für mich.

Freunde kann ich nicht besuchen, da ich nicht in ihre Wohnungen komme.
Ämter sind für mich nicht zugänglich, da noch immer kaum Fahrstühle vorhanden sind.
Gänge sind zu eng, in Zügen, Reisebussen und Flugzeugen kann ich kein WC benutzen. Ich muss mich entweder kathetern, oder eine Windel tragen und mich vollpinkeln, obwohl ich meine Blase kontrollieren kann.
Ich habe aber keinen Zugang zur Toilette.

Freunde und Familie müssen immer darauf achten, dass wir nur dorthin gehen, wo auch ich hin kann.
Mal eben spontan etwas unternehmen, sehr schwierig.
Mal eben ins Café an der Ecke? Nein, komme ich nicht rein, es gibt Stufen. Wenn ich doch rein komme, können wir höchstens 2 Stunden bleiben, denn ich komme nicht auf die Toilette. Die ist nämlich unten.

Menschen müssen zu mir kommen, denn in ihre Wohnungen komme ich nicht.

Barrierefreiheit im Beruf? Nein.
Es ist Glückssache, pünktlich oder überhaupt dort anzukommen, wo man hin möchte oder muss.
Nur eine Fahrt zum Arzt und ich bin davon abhängig, dass der Bus nicht schon mit Kinderwagen und Co belegt ist, der Fahrer nicht einfach durch fährt und mich stehen lässt, davon, dass Fahrstuhl 1 und 2 funktioniert, davon, dass der Lokführer mich nicht ignoriert und einfach fährt und die Rampe funktioniert.
Davon, dass der Zug dann auch am vorgesehenen Gleis hält und nicht abweicht auf ein Gleis ohne Fahrstuhl.
Davon, dass Fahrstuhl 1, 2, 3 und 4 am Zielbahnhof funktioniert.
Davon, dass ich den Anschlussbus bekomme und da auch alles glatt läuft.

Worauf musst du bei einem Arztbesuch achten, Abled?

Barrierefreiheit ab 2030 ?
Du bist nicht betroffen? Du brauchst sie nicht?
Ich schon! Wir schon! 7,5 Millionen Menschen in Deutschland, 10% der Gesamtbevölkerung Deutschlands brauchen sie!
Jetzt!

Sei nicht so ignorant und zeige Solidarität !Lass #Barrierefreiheit trenden, nur heute.
Ausnahmsweise!
Vergessen werden wir oft genug, eigentlich immer!
Deine Solidarität bedeutet Awareness , bedeutet Sichtbarkeit, bedeutet Inklusion !

Barrierefreiheit JETZT !

audifono

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