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Grüß Gott! Mein Name ist Gaby Kölbl-Schuberth,

Ich stehe hier als Mutter eines der wenigen Kinder, denen es derzeit überhaupt möglich ist mit Unterstützung einer Schulbegleiterin Teilhabe zu erleben, nur durch sie eine Chance hat mitten unter anderen, gesunden Kindern zu sein.

Leider sind es bislang noch zu wenige andere Eltern die sich nicht einschüchtern lassen – durch die „gut gemeinte Rat-Schläge“ zu einer Förderschule.

„Warum auch sollte unser Kind dort hin?“ Haben wir uns gefragt….wegen einer chronische Erkrankung? „Seit wann sind Diabetes, Neurodermitis, kindliche Epilepsie denn ein Grund Kinder auf eine Förderschule zu schicken?“ Haben wir uns gefragt….

Doch, das passiert. Täglich. Es wird segregiert:

„Das Kind ist zu langsam, es könnte lernbehindert sein“

„Das Kind ist sehr schüchtern – es kommt möglichweise nicht mit – wir raten zur Förderschule“

„Das Kind stottert, spricht zu schnell, spricht eine andere Sprache…. man muss doch dran denken, es könnte in der Regelschule überfordert sein … – wir raten zur Förderschule“.

Wir haben NEIN gesagt. Wir sind gegen Wände gelaufen. Aber nicht nur wir allein. Es geht vielen Eltern immer noch so.

Die UN-Behindertenrechtskonvention betont, das jungen Menschen mit einer Behinderung oder Beeinträchtigung die Möglichkeit gegeben werden soll gleichberechtigt mit anderen Kindern eine schulische Bildungseinrichtung zu besuchen.

Trotz Schulpflicht gibt es auch 12 Jahre nach Ratifizierung der UN-BRK in den 16 Bundesländern bis zum heutigen Tage keinen einklagbaren Anspruch für Kinder auf eine INKLUSIVE Beschulung in der nicht nur die Unterrichtung gesichert sein soll , sondern auch die gesundheitliche oder emotionale Betreuung die diese Kinder in der Schule benötigen. Kinder die mit ihren Handicaps und darüber hinaus auch oft mit jahrelanger Ausgrenzung zurechtkommen müssen.

Manchen Kinder wird der Schritt in die Regelschulen immer noch gänzlich verwehrt.

Die zaghaften Schritte hin zur inklusiven Beschulung die es seit 2009 gibt werden unterstützt durch immer mehr werdende Schulbegleiter – Inklusionsassistenten – Inklusionsfachkräfte.

Je nach Bedürfnis der Kinder versuchen sie seit Jahren so die Teilhabe zu sichern.

Ohne Ausbildung und mit sehr unterschiedlicher Bezahlung, häufig bei sozialen Trägern angestellte engagierte Frauen und Männer versuchen unsere Kinder und Jugendliche mit seelischer, körperlicher oder geistiger Behinderung in ihrem schulischen Alltag zu unterstützen.

Mittlerweile haben auch Förderschulen eine rege Nachfrage nach Schulbegleiter-angemeldet und auch da werden sie eingesetzt. Wieso eigentlich?

Im Laufe der letzten 12 Jahre haben sich unterschiedliche Anstellungsarten, Aufgabendefinition, Rahmenbedingungen, Aus- und Weiterbildung entwickelt – überall anders. Ganzjährig durchgängige Arbeitsverträge gibt es für sie immer noch nicht…von einem gesicherten Arbeitsplatz kann man kaum sprechen, denn bezahlt werden sie z.B. überwiegend in den Ferien nicht.

Und ob die Schulbegleitung im nächsten Jahr weiter bezahlt wird, das ist erst dann klar, wenn der zuständige Kostenträger – Sozialamt, Bezirk oder Jugendamt – den Antrag der Eltern bewilligt hat. Sie stellen ihn häufig im März/April für das kommende Schuljahr, traben dann von Sozialträger zu Sozialträger um sich eine passende Schulbegleitung zu suchen – die es oft gar nicht gibt – um dann, wie leider häufig berichtet auf den letzten Drücker den zugesicherten Kostenbescheid in den Händen zu halten – und bekommen dann – irgendwen, jemanden der noch verfügbar ist.

Warum also sind diese so wichtigen Unterstützer unserer Kinder nicht Standard in den Schulen – und dort zu finden ? Es wäre so vieles leichter für alle Beteiligten.

Länder, wie Kanada, Finnland, USA haben das längst gelöst: Klassen mit regulärer Tandembesetzung, medizinische Grundversorgung an den Schulen….wo sind die – ausgerechnet in Deutschland – dem Land der Dichter und Denker, dem Land, das bei Aus- und Weiterbildung für andere Länder viele Jahre Vorreiter war?

Sind uns unsere Kinder denn diesen Aufwand nicht wert?

Dafür schliessen sich derzeit Eltern, engagierte Lehrer, ambitionierte und erfahrene Schulbegleitungen zusammen: wir möchten genau das für Ihre und unsere Kinder erreichen – der Verband der Inklusionskräfte.

Martina Brand und Gaby Kölbl-Schuberth
Foto v.l.n.r. Valentin Brand, Martina Brand und Gaby Kölbl-Schuberth bei ihrer gemeinsamen Rede

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