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Randgruppenkrawall-Behindertenprotest-Demo-Eröffnung:

Hallo, Ihr Lieben,

ich bin Patricia Koller und freue mich, daß Ihr meinem Aufruf gefolgt seid.

Als Aktivistin für Behindertenrechte und Inklusion fordere ich die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention und möchte den Problemen von Schwerbehinderten und psychisch Kranken in der Politik sowie der Öffentlichkeit mehr Beachtung verschaffen.

Wir müssen uns an die Corona-Auflagen halten. Unsere Ordner werden auch darauf achten, daß es keine Probleme gibt, also haltet bitte eineinhalb Meter Abstand. Das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes wird vom KVR empfohlen und stellt keinen Verstoß gegen das versammlungsrechtliche Vermummungsverbot dar.

Lasst die Rollstuhlfahrer bitte nach vorne, damit sie eine gute Sicht haben.

Für Gehbehinderte haben wir Sitzgelegenheiten und Gehörlose können sich die Reden zum Mitlesen an der Bühne abholen. Anna Krott ist Gebärdendolmetscherin und hat sich freiwillig gemeldet, unsere Demo zu unterstützen.

Noch ein Hinweis auf unsere Petition.

Ich habe eine Petition an Minister Heil vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales gestartet, in der ich fordere, daß die Behörden barrierefrei zu arbeiten haben und dass die Gesetze, die eigentlich auf unserer Seite wären, endlich korrekt umgesetzt werden müssen.

Diese Petition ist online bei WeAct zu finden und liegt hier aus. Sie kann von Euch mit unterschrieben werden. Innerhalb kürzester Zeit kamen schon eine Menge an Unterschriften zusammen, die beweisen, wie wichtig dieses Thema ist.
Anmerkung der Redaktion: https://weact.campact.de/petitions/starkung-der-rechte-von-schwerbehinderten-und-psychisch-kranken

Wir fordern, daß die Behörden sich an deutsche Gesetze halten, ihrer Informations- und Beratungspflicht nachkommen und die Datenschutzbestimmungen einhalten.

Sachbearbeiterwechsel müssen endlich ermöglicht werden, da es vor allem für Traumatisierte und psychisch Kranke wichtig ist, sich gegen übergriffiges Verhalten abgrenzen zu können.

Wir brauchen juristische Hilfe bei dem unübersichtlichen Paragraphendschungel, damit wir unsere Rechte erfahren und auch erhalten.

Wir fordern deshalb, dass endlich deutschlandweit einheitliche Regeln geschaffen werden und nicht weiter jedes Bundesland und jede Behörde macht, was sie gerade lustig ist. Was nutzen uns Gesetze, wenn sich die Behörden nicht daran halten?

Wir brauchen dringend ein funktionierendes, unabhängiges Beschwerdesystem für Schwerbehinderte und psychisch Kranke.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch nochmals daran erinnern, wie wichtig es ist, sämtliche Entwicklungen in die entgegengesetzte Richtung zu stoppen. Den Protest-Tsunami aus der Bevölkerung zu dem unfassbaren bayerischen PsychischKrankenHilfeGesetz gab es mit Recht, denn wer sich mit der deutschen Vergangenheit befasst hat, weiß, daß man psychisch Kranke vor nicht allzu langer Zeit – während der dunkelsten Geschichte Deutschlands – aussortiert und ermordet hat.

Wir fordern, dass Menschen mit Behinderungen wirklich gleichberechtigt und SELBSTBESTIMMT leben können, dass wir Wohnort, Wohnform und unsere Alltagshelfer frei wählen können.

Niemand darf in ein Heim gezwungen werden und soll Menschen, denen man nicht vertraut, in die intimsten Bereiche Zugriff gewähren müssen.

Niemand darf aufgrund seiner Behinderung benachteiligt werden!

Früher war mir nicht klar, wie schäbig und mies Menschen mit Behinderung behandelt werden. Ich dachte immer, denen geht es allen gut. Wir leben im reichen Deutschland und alle sind prima versorgt. Erst als ich selbst betroffen war, erlebte ich die vielen unfassbaren Respektlosigkeiten, Ausgrenzungen und Gemeinheiten, die für die meisten Betroffenen seit Ewigkeiten zum Alltag gehören. Mit dem Gründen einer Selbsthilfegruppe lernte ich im Laufe der Jahre in tausenden Gesprächen viel dazu. Freundschaften zu Gelähmten und Contergan-Geschädigten machten mir bewusst, daß ich noch nicht mal erahnen kann, wie schwer ihr Leben war und ist. Es macht mich wütend, daß Deutschland so sehr versagt. Wir haben hier Unmengen von heuchlerischem Blendwerk, das an uns viel Geld verdient, aber sehr wenig hilfreiche Unterstützung.

Wir waren gerade in Berlin bei einem sehr netten Treffen des AbiD e.V., dem Allgemeinen Behindertenverband in Deutschland, wo wir Menschen getroffen haben, die, wie Frau Prof. Dr. Swantje Köbsell, seit über VIERZIG JAHREN für die Gleichstellung von Behinderten kämpfen. Es ist doch nicht zu fassen, daß sich so wenig bewegen lässt und man fragt sich da schon, ob die Mächtigen dieses Landes Beton in den Schädeln und in den Herzen haben, dass sie so gar nichts begreifen.
Wie kann es sonst sein, daß über vierzig Jahre gegen Ausgrenzung und Diskriminierung demonstriert wird und es geschieht noch immer nichts?

Durch die Teilnehmer aus der ehemaligen DDR erfuhren wir, daß die Betroffenen dort wesentlich besser behandelt wurden als im Westen und daß sich deren Lage durch die Wende verschlechtert hat.

Die allgemeine Auffassung der Anwesenden war, daß wir derzeit unsere Rechte verteidigen müssen, damit wir keine Rückschritte in der Entwicklung hinnehmen müssen (wie etwa das menschenverachtende IPReG von Jens Spahn, das Beatmungspatienten gegen ihren Willen in Heime zwingen will, oder seine Freigabe der Daten von Kassenpatienten, oder das bayerische PsychKHG). Wir erleben derzeit – trotz jahrenlangen Protesten – keine Weiterentwicklung.

Wir brauchen also viel mehr Rebellion und deshalb rufen wir auf zum Randgruppenkrawall! 😉

Wer frei sein will, darf nicht gehorsam sein!

Hiermit erkläre ich unsere Randgruppenkrawall!-Behindertenprotest-Kundgebung für eröffnet.

Es geht los mit Drumadama, die uns während der gesamten Demo begleiten werden und danach folgen die Redebeiträge von Katrin Langensiepen, der Vorsitzenden der interparlamentarischen Gruppe von Menschen mit Behinderung des Europäischen Parlaments und Corinna Rüffer, der Sprecherin für Behindertenpolitik aus dem Bundestag.

Applaus, Applaus!

REDE (Hauptteil)

Deutschland hat die UN-Behindertenrechtskonvention unterzeichnet. Das ist ein völkerrechtlich bindender Vertrag, auf dessen Umsetzung wir bisher vergeblich warten.

Die Nazis haben neben den Juden, Sinti und Roma auch Randgruppen verfolgt und umgebracht. Nach den Zwangssterilisationen wurden massenhaft Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen ermordet. Auch Kinder.

Die soziale Spaltung begann mit Hassreden und Ausgrenzung. Es folgten Entrechtung, Zwangsarbeit und die Gaskammern…

Weitgehend unbemerkt von der Bevölkerung sammelte man die Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen ein und ermordete sie in sogenannten „Heilanstalten“, während man nach außen hin den schönen Schein wahrte und sogar eine extra Verwaltung damit beschäftigte, heuchlerische Beileidsschreiben an die Verbliebenen zu verfassen, die falsche Todesursachen enthielten. Selbst die eigenen Soldaten wurden aussortiert und umgebracht, wenn sie traumatisiert aus dem Krieg zurückkehrten und zitterten. Wer nicht mehr als Arbeitskraft einsetzbar war, durfte auch nicht leben. Gemordet wurde mit deutscher Gründlichkeit.

Selbst von den Kirchen gab es kaum Widerspruch.

Ärzte nutzten die Wehrlosen skrupellos für Experimente und erforschten dabei auch, wie man sie möglichst schnell und kostengünstig tötet!

Nach Kriegsende blieben die meisten Täter straffrei und arbeiteten weiter in ihren Berufen…

Die bis heute vielfach spürbare Diskriminierung und Geringschätzung Schwerbehinderter und psychisch Kranker basiert auf der Zeit der NS-Diktatur. Man schiebt sie auch heute noch gerne in Parallelwelten – in Heime, Psychiatrien, oder in die Obdachlosigkeit -ab.

Deutschland war und ist kranken- und behindertenfeindlich. Das erkennt man auch daran, wie mies es mit Pflegekräften und pflegenden Angehörigen umgeht.

JEDER kann durch einen Unfall innerhalb von Sekunden zu einem Menschen mit einer Behinderung werden, oder durch ein grausames Erlebnis – wie ein Gewaltverbrechen – psychisch krank.

Wirst Du erwerbsunfähig, lernst Du unseren Staat von einer ganz anderen Seite kennen. Vorbei ist der schöne Schein der heilen Welt und Du erkennst: ab sofort hängst Du am Gängelband einer Sozialbehörde und wirst zum Bittsteller. Du giltst als Kostenfaktor. Unzählige Anträge und noch sehr viel mehr Nachweise, nur um an Deine Rechtsansprüche zu kommen. Du mußt um etwas kämpfen, das Dir von Rechts wegen glasklar zusteht, weil es Dir die Sachbearbeiter so schwer wie nur irgend möglich machen. Sie haben stets Einsparungen im Sinn und nicht Dein Wohl. Während Du alles abarbeitest, legen sie Dir schon die nächsten Steine in den Weg. Du wirst gedemütigt, verspottet, eingeschüchtert, angeschrien, bevormundet, entrechtet, schikaniert und mittels Leistungsverweigerung oder -entzug erpresst.

Die sogenannte „Eingliederungshilfe“-Abteilung vom Bezirk Oberbayern sollte in Anspruchsabwehr-Abteilung umbenannt werden, wenn der Bezirk ausnahmsweise mal ehrlich wäre.

Nach außen hin aber gibt sich die Behördenleitung mit schwülstigen Reden stets fürsorglich und behindertenlieb. Da prahlen falsche Heilige!

Wir dürfen im Gesundheits- und Sozialausschuss des Bezirks Oberbayern, in dem Nichtbehinderte über uns sprechen und über uns hinweg entscheiden, nichts sagen. Wir werden also nicht mal gehört. Man spricht über uns, aber nicht mit uns! Wir können also nur innerlich kochend mit dabei sitzen, weil uns die enorme Scheinheiligkeit bei diesem Schmierentheater hochgradig anwidert. Die Bezirksrät*innen haben keinerlei Ahnung davon, welch psychische Gewalt von der sogenannten „Eingliederungshilfe“, der Anspruchsabwehr-Abteilung, ausgeht. Die meisten interessiert es ohnehin nicht. Man hat einen schicken Titel und ein gut bezahltes „Ehrenamt“.

In einer Zeit, in der wieder nach Arbeitskraft und Nutzen für die Reichen und Mächtigen sortiert wird, sind wir die „abgehängten Bürger“, also quasi die neuen „Ballastexistenzen“. Angesichts der dunklen deutschen Geschichte kann einem angst und bange werden, wenn man die gefühlskalten Machtmenschen so reden hört.

Noch heute erinnern sich viele Mitbürger an liebe Familienangehörige, die mit den grauen Bussen abgeholt wurden.
Kein Wunder also, daß man uns in Angst versetzt, wenn nun wieder vom Sortieren nach wertem und unwertem Leben die Rede ist, wenn in Folge von Corona über die Triage diskutiert wird. Wieder sollen wir als erste sterben, weil andere über uns hinweg entscheiden, ob unsere Leben lebenswert sind.

Während die Wirtschaftsmarionetten gegen die Armen hetzen und Rassisten uns als Gutmenschen, Bahnhofsklatscher, Teddybärwerfer und verirrte Blumenkinder beschimpfen, verschwinden Akten zu rechtsextremen Morden und bleiben anschließend 120 Jahre unter Verschluss…

Wir haben in viele Einrichtungen keinen Einblick. Wir wissen nicht, wievielen Quälereien und Demütigungen dort Kinder, alte oder behinderte Menschen ausgeliefert sind, wenn es nur noch um Kostenersparnis geht, keine professionelle Pflege mehr geleistet werden kann und niemand mehr nach dem Rechten sieht.

Dennoch wissen alle, was sich für grausame Szenen in Heimen und Psychiatrien abspielen können, weil ab und zu erschütternde Informationen durchsickern.

Mir hat sich eine Szene aus einem Team Wallraff-Bericht tief in mein Gedächtnis eingebrannt, in der ein Pfleger einer wehrlosen alten Dame den Waschlappen ins Gesicht presste, mit dem er ihr vorher den Popo abgewischt hatte und zu ihr sagte: „Du stinkst!“

Macht braucht Kontrolle! Vor allem aber braucht sie Kontrolle, wenn es um widerstandsunfähige Menschen geht.

Meine – vom Hals abwärts gelähmte – Freundin Stephanie wurde in einem Pflegeheim von einem Pfleger missbraucht. Das hat die streng gläubige Frau so tief verletzt, dass sie in ihrer Verzweiflung mit dem Rollstuhl in den fahrenden Verkehr fahren und sich das Leben nehmen wollte.

Ihre größte Angst ist es, wieder in ein Heim zu müssen. Lieber erträgt sie lebensgefährliche Zustände, weil sie wegen des Pflegenotstands keinen guten Pflegedienst findet und immer wieder unterversorgt ist.

Hinter verschlossenen Türen kann das Hässlichste und Böseste im Menschen zum Vorschein kommen, sich verselbständigen und eskalieren. Dies sollten gerade wir Deutschen aus der bestialischen Zeit des Mordens während der NS-Diktatur wissen. Die Konzentrationslager und angeblichen „Heilanstalten“, in denen Behinderte und psychisch kranke Menschen systematisch ermordet wurden, kosteten millionen Unschuldigen das Leben.
Heute lüftet ab und zu mal ein heimlich gefilmtes Video, wie es in manchen Psychiatrien und Heimen für Schwerbehinderte oder alte Menschen wirklich zugeht, welchen Provokationen und gewalttätigen Übergriffen Geflüchtete in den Ankerzentren und Lagern ausgesetzt sind. Auch von lebensgefährlicher Gewalt gegen schlafende Obdachlose lesen wir vermehrt.
Von behördlicher Willkür und Machtmissbrauch gegen behördenabhängige Schwerbehinderte und psychisch Kranke erfährt die Öffentlichkeit bisher so gut wie nie, weil die Betroffenen gezielt zermürbt und eingeschüchtert werden. Die meisten Opfer dieses Zersetzungsprogrammshaben ANGST, öffentlich den Mund aufzumachen. Ihre Wut macht sich nur im Verborgenen Luft. Die Medien berichten nur seltenst darüber, wenn sich die Behördenopfer hilfesuchend an sie wenden. Manche Sender geben einem sogar zur Antwort, daß sie „grundsätzlich nie über Behinderte berichten“!
Die verhängnisvollen Folgen, der in bitterster Armut lebenden, Betroffenen, die nur noch als „Kostenfaktoren“ betrachtet und verachtet werden, sind oftmals gesellschaftliche Ausgrenzung, Nervenzusammenbrüche oder gar Selbstmordgefährdung. Sie sind häufig Behördenwillkür und Machtmissbrauch schutzlos ausgeliefert.
Immerhin hat die Sendung „quer“ vom BR mal etwas über die unglaubliche Willkür vom Bezirk Oberbayern gebracht, nachdem einer Rollstuhlfahrerin das neugeborene Baby weggenommen wurde, weil der tyrannische Sachbearbeiter sie lieber entmündigt sehen wollte. Die skandalösen Zustände bei der milliardenschweren Behörde werden normalerweise verschwiegen, weil sich niemand mit ihr anlegen mag. Dank dem engagierten Einsatz von Hilal Kutlu und ihrem AMG-Pflegedienst konnte das Baby zurück zu der jungen Mutter gebracht werden.
Die Pressedame vom Bezirk bezeichnete den Bericht anschließend in einer aufgeregten Rundmail an die Bezirksrät*innen als katastrophal, – katastrophal sind jedoch die Zustände in dieser feindselig agierenden Sozialbehörde.

In Zeiten von Corona wurde soziale Distanz angeordnet. Isolation macht krank, schmerzt und verletzt. Sie nagt an der Seele und frisst sie auf.

Was wir brauchen, ist soziale Nähe. Wir brauchen die Liebe und den Zusammenhalt und das aktuell mehr denn je, wenn wir nicht wollen, daß sich Deutschland wieder in eine gefährliche Richtung entwickelt, die wir bereits aus finsterster Vergangenheit kennen.
Wir müssen derzeit Abstand halten, – aber um so wichtiger sind emotionale Nähe und Fürsorge.

In einer Zeit, in der die Armut wächst, Mieten unbezahlbar sind, die Schlangen an den Tafeln länger werden und die Zahl der Obdachlosen ständig steigt, trifft uns der unsichtbare Feind. Im Katastrophenalarm werden uns Grundrechte entzogen. Wir nehmen es murrend hin und fügen uns, denn schließlich dient es ja unser aller Schutz. Für Schwerbehinderte ist es jetzt noch schwerer geworden, Assistenten zu finden, die eng mit uns zusammen arbeiten.

Kaum ein Nichtbehinderter wird sich dafür erklären und rechtfertigen müssen, wieviele Toilettengänge er pro Tag braucht, oder wie oft er Lebensmittel zu sich nimmt. Warum gibt man ihnen nicht einfach die Hilfe, die sie brauchen und spart sich dafür den aufwändigen Abrechnungswahnsinn nach Minutentakt?
Menschen sind Individuen. Lasst die Leute nach ihren Bedürfnissen leben! Das wäre ein selbstbestimmtes Leben und nicht, wenn gängelnde Sachbearbeiter über Menschen mit Behinderungen hinweg bestimmen, wie sie zu leben haben.
Welcher Mensch passt schon in ein Formular? Warum redet man nicht direkt mit den Betroffenen? Hört endlich auf, sie in unpassende Schablonen pressen zu wollen. Warum gibt man ihnen nicht einfach die Stunden, die sie brauchen und spart lieber an den Horden von unausgebildeten und übergriffigen Sachbearbeitern, die Hilfsbedürftige nur als Kostenfaktoren betrachten, aber nicht mal in der Lage sind, ein Beratungsgespräch zu führen – obwohl sie eine Informations- und Beratungspflicht haben – und sich weder mit Erkrankungen noch Behinderungen auskennen?
Immer wieder erfahre ich von endlosen Kämpfen mit Behörden, weil die benötigten Hilfen, auf die ein klarer Rechtsanspruch besteht, seit JAHREN nicht gewährt werden…

Das ist extrem unfair gegenüber Menschen, die ihre gesamte Kraft für den Kampf gegen eine Krankheit oder im Umgang mit ihrer Behinderung bräuchten.

Da loben sich Politiker für über 10 Jahre UN-Behindertenrechtskonvention und feiern, dabei ist kaum etwas erreicht.

Wir werden von der Gesellschaft vielfach nicht mit bedacht, ausgeblendet und ausgegrenzt. Bei Fernsehsendungen werden wir sogar aus dem Publikum aussortiert, weil man „so jemanden“ nicht im Bild sitzen haben will. In der Werbung kommen wir gar nicht vor. Es gibt nicht genug Behindertentoiletten, zu wenig barrierefreie Arztpraxen, Verkehrsmittel, Aufzüge, Restaurants und Veranstaltungsorte. Es hakt noch an so vielen Stellen, die ich jetzt gar nicht alle aufzählen kann.

Es kann jedoch jeden treffen! Irgendwann seid Ihr alt und dann kann es sein, daß auch Ihr einen Rollator oder Rollstuhl braucht, oder durch einen Unfall oder eine Erkrankung bettlägerig und pflegebedürftig werdet.

Sachbearbeiter missbrauchen ihre Macht und führen sich auf, als ginge es darum, den Antragstellern die Hilfen aus den eigenen Taschen bezahlen zu müssen. Sie verspotten ihre „Klienten“, demütigen sie, schreien sie an, schikanieren sie und schüchtern sie ein. Allzu gerne und viel zu oft wird Hilfesuchenden in aller Falschheit dringend dazu geraten, einer gesetzlichen Betreuung zuzustimmen, wenn sie mit diesen vorsätzlichen Übergriffigkeiten nicht klarkommen. Es wird ihnen weisgemacht, daß sich ein Anwalt um ihre Behördenangelegenheiten kümmert – mit denen sie ja eindeutig überfordert sind – und daß sie so keine Probleme mehr hätten. In Wahrheit bestimmen dann andere über ihre Angelegenheiten. Eine Betreuung werden sie auch so leicht gar nicht wieder los. Das ist dann das Gegenteil eines selbstbestimmten Lebens.
(Hiermit möchte ich nicht sagen, daß es grundsätzlich falsch ist, eine gesetzliche Betreuung einzurichten, denn es gibt auch Situationen, in denen der Einsatz eines gesetzlichen Betreuers – wie z.B. bei dementen Personen ohne pflegende Angehörige – sinnvoll sein kann. Es gibt jedoch auch viel gefährlichen Missbrauch in diesem Bereich. Das ist ein durchaus wichtiges Thema, das hier aber nun zu weit führen würde.)

Für die Sachbearbeiter ist jedoch alles bestens, denn von nun an wird den Betreuten der Wille der Behörde aufgezwungen und ungehindert über sie hinweg entschieden.

Der Bezirk Oberbayern hält sich nicht an geltende deutsche Gesetze und handelt zudem häufig völlig rechtswidrig, als wären die Opfer dieser üblen Machenschaften kleine Kinder, die nicht wissen, was sie brauchen und möchten, anstatt erwachsene Menschen, die sich mit Recht gegen diese Methoden zur Wehr setzen.

Unser selbstherrlicher Herr Bezirkstagspräsident feiert Werkstätten für Behinderte als „Inklusion“ und merkt dabei nicht einmal, wie falsch das ist. Das könnte vielleicht auch daran liegen, dass er über 70 und völlig faktenresistent ist…

Horst Seehofer forderte mal Obergrenzen. Ich fände eine Altersobergrenze für starrsinnige Politiker*innen prima. So könnte endlich mal ein frischer Wind durch´s Land ziehen und wohltuende Erneuerung mit sich bringen.

CumEx-Milliarden-Betrüger gehen in Deutschland straffrei aus, weil man nicht genug Personal zum Ermitteln hat, aber für das Hinterherspionieren und Tyrannisieren von Sozialhilfeempfängern reicht es erstaunlicherweise immer. Dabei werden keine Kosten und Mühen gescheut. Da stehen unendliche Ressourcen zur Verfügung.

Der Bezirk Oberbayern quält sogar psychisch Kranke, von denen er genau weiß, daß sie traumatisiert, depressiv, oder selbstmordgefährdet sind, lobt sich öffentlich aber stets in aller verlogenen Scheinheiligkeit prahlerisch für seine Krisendienste.

Deutschland war und ist kranken- und behindertenfeindlich.

Wir fordern mehr Unterstützung für pflegende Angehörige, bessere Bezahlung für Pflegekräfte und bessere Arbeitsbedingungen, damit sie professionell helfen können und sich nicht durch eine Flucht aus dem Beruf vor einem Zusammenbruch retten müssen.

Wir wollen eine soziale und INKLUSIVE GESELLSCHAFT!

Ich wünsche mir wieder mehr Mut zur Individualität, mehr Zivilcourage, sich gemeinsam gegen Unrecht aufzulehnen und die Einhaltung der Menschenrechte, die für alle Menschen gelten.

Wir sollten nicht tatenlos zusehen, wie sich Geschichte wiederholt und erneut ganze Bevölkerungsgruppen ausgegrenzt und in Heime, Psychiatrien oder Lager aussortiert werden, sondern mehr aufeinander achten und füreinander da sein. Lasst Euch nicht einreden, dass manche Leben weniger wert sind.
Wir sind eine Menschheit und leben auf dem selben Planeten. Es ist völlig normal, eine Erkrankung oder eine Behinderung zu haben.

Lasst Euch nicht teilen! Wehrt Euch! Wehrt Euch gemeinsam, denn schon morgen könnt IHR die Nächsten sein, die ausgegrenzt und entrechtet werden.

Lasst uns eine bessere Gesellschaft sein, die Inklusion und Vielfalt lebt!


Copyrights: Claudia Westermann
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