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Menschenmenge vor der Bühne (von der Bühne aus betrachtet)

Die Veranstaltung begann mit einem Gewitter und einem heftigen Platzregen, doch die Menge blieb und harrte geduldig aus.

Rund 1000 Menschen setzten beim diesjährigen Randgruppenkrawall am vergangenen Samstag ein deutliches Zeichen gegen Diskriminierung, Sozialabbau und Ausgrenzung. Sieben Stunden lang machten Menschen mit Behinderungen, Angehörige und Unterstützende auf bestehende Missstände aufmerksam und forderten die konsequente Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Kritik an einer Politik, die Menschen mit Behinderungen weiterhin benachteiligt und ausgerechnet bei denen, die am dringendsten Hilfe benötigen und die sich am wenigsten wehren können, an der notwendigen Unterstützung sparen will. 

Die Redebeiträge machten deutlich, dass Selbstbestimmung, Barrierefreiheit und gleichberechtigte Teilhabe keine freiwilligen Leistungen, sondern grundlegendes Menschenrecht sind.

Immer wieder kamen die Verbrechen der NS-Diktatur zur Sprache. Eine Zeit, in der die Nationalsozialisten Menschen mit Behinderungen und Erkrankungen in einem Massenmord vernichteten. Dass es für so viele Betroffene wichtig war, dies zu erwähnen, zeigt, wie groß die Angst derzeit unter ihnen bzw. uns ist. 

Die Historikerin Dr. Sibylle von Tiedemann von der Gedenkinitiative für die NS-„Euthanasie“-Mordopfer hielt dazu auch wieder einen sehr interessanten Vortrag. 

Ein besonderer Schwerpunkt war in diesem Jahr der Katastrophenschutz für Menschen mit Behinderungen. Bernd Endress kritisierte, dass Menschen mit Behinderungen bei Hitzeschutz, Evakuierungen, Stromausfällen oder anderen Krisenszenarien noch immer viel zu selten mitgedacht werden. Ein wirksamer Katastrophenschutz müsse von Anfang an inklusiv geplant werden und die Bedürfnisse aller Menschen berücksichtigen.

Die Veranstaltung machte zugleich die Vielfalt behinderter Lebensrealitäten sichtbar. Thematisiert wurden unter anderem auch unsichtbare Behinderungen wie ME/CFS und Long Covid, die Situation Psychiatrie-Erfahrener, die Herausforderungen pflegender Angehöriger sowie Barrieren in den Bereichen Mobilität, Wohnen, Assistenz und Gesundheitsversorgung. Damit zeigte der Randgruppenkrawall erneut, dass Inklusion weit mehr bedeutet als Barrierefreiheit im öffentlichen Raum.

Es sprachen die Europaabgeordnete Katrin Langensiepen, die Behindertenbeauftragte der Stadt München Daniela Maier, Mirko Bialas (MüPE), Nancy Frind, Beate Jenkner, Brigitte Bührlen (Wir-Stiftung pflegender Angehöriger), Max Schwarz (ME/CFS-Liegenddemos), Jens Möllenhoff, Sabina Ahmed, Florian Schlund, Stadtrat Stefan Jagel, Chris Lily Kiermeier, Bernd Endress sowie die Veranstalterin Patricia Koller. Brigitte Ziegler ließ sich vertreten. 

Die Beiträge machten wieder einmal deutlich, wie unterschiedlich die Erfahrungen behinderter Menschen sind.

Neben den  Redebeiträgen sorgten die Band Drumadama, die selbst geschriebenen Lieder von Patricia Koller (Patricia Alice Patali) und Beate Jenkner (DJane Beatrice) sowie die Gruppe EMOTIONDISE von Ella Don mit ihren Arbeiten zu Identität, Begegnung und Selbstwahrnehmung für ein vielfältiges kulturelles Programm.

Die Veranstalterin kümmerte sich um die Barrierefreiheit der Demonstration. Gebärdensprach- und Schriftdolmetscherinnen begleiteten die gesamte Veranstaltung. Damit sollte sichergestellt werden, dass möglichst viele Menschen unabhängig von ihrer Behinderung am Protest teilnehmen konnten.

Trotz der ernsten Themen war die Stimmung auf dem Marienplatz fröhlich. Sie war von Solidarität, gegenseitiger Unterstützung und Entschlossenheit geprägt. Das Team erhielt zahlreiche positive Rückmeldungen von Teilnehmenden der Kundgebung.

Der Randgruppenkrawall hat erneut deutlich gemacht: Menschen mit Behinderungen werden ihre Forderungen nach Selbstbestimmung, Barrierefreiheit und echter gesellschaftlicher Teilhabe auch künftig laut und sichtbar auf die Straße tragen. Die große Beteiligung zeigt, dass diese Anliegen weit über die Behindertenbewegung hinaus auf breite Unterstützung stoßen.

Auf Instagram folgen in den kommenden Tagen noch einige Fotos und auf YouTube wird es für alle, die nicht live dabei sein konnten, Videos von der Veranstaltung geben. 

Foto oben: Ella Don
Das Foto von Patricia Koller (links) und Jacqueline Ernst (rechts im Bild) hat Udo Ernst aufgenommen. 

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